Das Herz der Stadtgeschichte

„... Das alles empörte des tüchtigen jungen Mannes mutvolles Herz; auf die sichere Nachricht, sein Feind sei im Anritt aus der Burg Tangermünde, wo die Tanger in die Elbe mündet, fiel er daher zusammen mit meinem Bruder Friedrich und nur 20 Gewaffneten kühn über ihn her ...“ So beschrieb Bischof Thietmar von Merseburg im Jahr 1009 in seiner Chronik den Streit zweier Adliger und sorgte damit für die erste schriftliche Erwähnung der Tangermünder Burg. Die "civitas Tongeremuthi" war eine Grenzfeste im Verteidigungssystem an der Elbe gegen die Slawen. In ihrem Schutz entwickelte sich in den nächsten 200 Jahren erst eine Kaufmannssiedlung und dann die Stadt.

Ihre bedeutendste Zeit erlebte die   Burg unter Kaiser Karl IV. 1373 erwarb er die Mark Brandenburg und vereinigte sie mit dem Königreich Böhmen. Bis zu seinem Tod 1378 blieb Tangermünde seine Nebenresidenz zum Hradschin in Prag. Nach dessen Vorbild ließ er den alten Askaniersitz umgestalten. Über die Stadt an der Elbe, die seit 1368 der Hanse angehörte, kam der Kaiser mit dem mächtigen Städtebund ins Geschäft. Die hiesigen Kaufleute handelten unter anderem mit Salz, Heringen, Wein, Getreide, Öl, Holz, Leinwand, Töpferwaren, gebrannten Pflastersteinen und dem "Kuhschwanz"-Bier, das heute wieder gebraut wird.

Im ältesten erhaltenen Wohnhaus, der um 1543 erbauten Schlossfreiheit 5, befindet sich das Burgmuseum. Es erzählt die Geschichte der Befestigungsanlage und Residenz, die im späten Mittelalter als Herrschaftszentrum der Mark Brandenburg gegenüber Berlin dominierte, dann konkurrierte und schließlich unterlag. Als die Schweden 1640 das kaiserliche Anwesen zerstörten, blieb im inneren Burghof nur das Tanzhaus Kaiser Karl VI. stehen. In der "Alten Kanzlei" aus dem 14. Jahrhundert werden seit ihrer Sanierung wieder rauschende Feste gefeiert. Aus dem selben Jahrhundert stammt der 50 Meter hohe, für Besucher geöffnete Kapitelturm, von dem die Aussicht weit über die Elbauen reicht. Das Schloss, als Hotel heute eine stilvolle Residenz für Gäste der Stadt, ließ Preußenkönig Friedrich I. um 1700 erbauen. Ihre Treue aber bezeugen die Tangermünder noch immer Karl IV., wie sie es ihrem (obersten Lehnsherren, seinem Sohn Wenzel IV. und ihren Erben) 1374 in einer Urkunde gelobten. Jedes Jahr am zweiten September-Wochenende ziehen der Kaiser nebst Gemahlin und Gefolge zum Burgfest in die Stadt ein.

Weiter in die Altstadt ...