Grete Minde - Zündelnde Tochter oder Justizopfer

Grete-Minde entstammt einer alten und angesehenen Tangermünder Familie.
Hans von Minden war Tangermünder Tangervogt (der Tangervogt hatte die Aufsicht über die Wiesen und Forste zu beiden Seiten des Tanger) und wohnte in der Schloßfreiheit. Sein Sohn Heinrich wurde Tangermünder Ratsmann und hatte zwei Söhne, Heinrich und Peter. Sohn Heinrich war ab 1609 ebenfalls Ratsmann. Sohn Peter ist der Vater der berühmt gewordenen Grete. Nach Aufzeichnungen des damaligen Bürgermeisters Caspar Helmreich musste Peter von Minden wegen einer Mordtat die Heimat verlassen, er starb in der Fremde.

Nach seinen Tod erschien eines Tages bei dem alten Heinrich von Minden Peters Witwe, ihr Kind Margaretha im Korb tragend, und forderte für ihr Kind das Erbteil ihres verstorbenen Ehemannes. Diese Erbschaft wurde nie vollständig ausgezahlt. Heinrich Minde (der Bruder von Peter Minden) zweifelte die Rechtsmäßigkeit der Ehe an. Grete Minde versuchte selbst noch als verheiratet Frau ihr erbe zu erhalten, aber außer jeweils ein paar Talern bekam sie nichts. Im Sommer 1616 heiratete Grete Minde den Soldaten Tönnies Meilahn. Dieser verbrauchte ihr Heiratsgut und ging anschließend als herrenloser Landsknecht auf die Gart, d.h. er verunsicherte durch Räubereien die Landstraßen. Bald blieb ihr nichts anderes übrig, als ihrem Mann auf diesem Weg zu folgen. Als der Tangermünder Rat 1619 Tonnies Meilahn wegen seiner räuberischen Überfälle verhaftete, wusste dieser, dass ihm der Tod bestimmt war. Während der Vernehmung beschuldigte Meilahn seine Frau, weil sie ihr Erbe nicht bekommen hätte, die Stadt Tangermünde zwei Jahre zuvor angezünder und somit den großen Stadtbrand von 1617 verursacht zu haben. Der magistrat war froh, endlich einen Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu können und führte ein Gerichtsverfahren durch, dessen ergebnis von vornherein feststand.

Am 22. März 1619 musste Grete Minde qualvoll auf dem Scheiterhaufen sterben. Über 250 Jahre galt Grete Minde als "Verruchtes Weib", als die Brandstifterin, die das größte unglück über Tangermünde gebracht hatte. erst Ludolf parisius schrieb 1883 nach erneutem studium der Gerichtsakten ihre "Ehrenrettung" und sprach von Justizmord.

Bis heute beschäftigt der "Fall Grete Minde" Historiker, Juristen und Künstler. Eine eindeutige Aussage zu ihrer Schuld oder Unschuld konnte bis heute nicht gemacht werden. Die bekannteste literarische Arbeit ist die gleichnamige Novelle von Theodor Fontane aus dem Jahr 1880. 1994 schrieb Hannelore Reimann ihre Erzählung "Flammen über Tangermünde" weitestgehend an historische Tatsachen gehalten. Zu den Festwochen der 1000-Jahr-Feier wird durch das Theater der Altmark in Tangermünde auf dem Pfarrhof  der St. Stephankirche die Oper "Grete Minde" aufgeführt. Nach dem gleichnamigen Novelle von Theodor Fontane.

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